Freitag, 28. August 2015

[Interview] Chris Chiffre

Interview mit Chris Chiffre

 Hallo,
Danke dass du dir die Zeit nimmst für dieses Interview. Am besten wir fangen mal mit einer einfachen Frage an.

Frage Nummer 1:
Wie bist du zum Schreiben gekommen? Durchs lesen, oder war dir von Anfang an klar, dass du Schriftstellerin werden möchtest?
Antwort:
Ein Talent zum Erzählen habe ich wohl schon von der Kindheit an – meine Mitmenschen sind tatsächlich manchmal von meiner Redseligkeit und Eloquenz regelrecht überfordert. ;-)
Das Verfassen kleiner Geschichten war zunächst biografisch geprägt. Ich wollte (meist lustige) Erlebnisse anderen mitteilen und auch erhalten, damit ich selbst nicht vergesse, wie es gewesen ist. Dass ich mich dann irgendwann daran gesetzt habe, einen Roman zu schreiben – und dann auch noch Erotik! –, das hat einen einfachen Grund, den viele Schreiberlinge angeben: Entweder sie wollen auch so was schreiben wie ihr Autorenvorbild oder, wie in meinem Fall, sie stolpern über bestimmte Texte und sagen sich: „Hey, das kann ich auch – aber besser!“ Vor vielen Jahren, lange, lange bevor Mainstream wie „Fifty Shades“ auftauchte, hatten mir nahestehende Menschen die Erotikliteratur für sich entdeckt und ich sah mir ein, zwei Werke auch mal näher an. Die Thematik war für mich damals auch etwas völlig Neues, aber was mich schnell störte, war, dass viele Figuren in solchen Werken sich einerseits wenig logisch verhalten (erotische Fantasie hin oder her) und dass Vieles, was da beschrieben wurde, rein praktisch gar nicht funktionieren kann! (Mit anderen Worten: Es ist schlecht recherchiert und die Verfasserin hat offenbar keine Ahnung, wovon sie da erzählt!) Tja und da wollt ich dann mal ein Werk haben, was mich diesbezüglich nicht stört – und ich dachte mir, dann machste’s halt selbst! ;-)

 
Frage Nummer 2:
Brauchst Du Ruhe beim Schreiben oder läuft Musik im Hintergrund?
Antwort:
Sich auf das Formulieren und auch möglichst fehlerfreie Schreiben konzentrieren zu können, setzt für mich absolute Ruhe und Ungestörtheit voraus – so dachte ich zumindest, und habe mein erstes Werk stets „im stillen Kämmerchen“ verfasst. Mittlerweile gelingt es mir aber, mich auch bei einer nicht geringen Geräuschkulisse auf mein Schreiben zu konzentrieren. Ich kann also auch in einem vollen Café sitzen und unanständige Zeilen tippen. Musik oder Gespräche blende ich dabei aus – logischerweise ist Musikhören beim Schreiben dann eh witzlos für mich.

Frage Nummer 3:
Bist du auch so ein Kaffeetrinker wie viele andere Autoren?
Antwort:
Ist das so? Also ich kann nur sagen, dass mein Kaffeekonsum zu Studienzeiten fast gegen Null ging, weil ich den Luxus hatte, nicht zu unchristlichen Zeiten aufstehen zu müssen. Heute, mit Familie und fremdbestimmt durch meinen ehrbaren Beruf, dem ich nachgehe (*räusper*), brauche ich leider wieder Koffein. Das hat für mich jedoch nichts mit dem Schreiben zu tun. Wenn ich Zeit und Muße zum Schreiben habe, dann ist so was wie eine Kaffeetasse zum Mund führen nur lästig – da muss ich ja die Finger von der Tastatur nehmen! Wenn ich vertieft bin ins Verfassen, dann verweilt das Glas Wasser unberührt auf dem Tisch, bis es lauwarm und abgestanden ist, und mein Kaffee wird auch kalt.

Frage Nummer 4:
Sind deine Protas reine Fiktion oder stehen Freunde/Bekannte sozusagen Pate?
Antwort:
Dazu habe ich auf meinem Blog schon mal einen Beitrag verfasst, auf den ich an dieser Stelle gern verweisen möchte:
http://chris-chiffre.tumblr.com/post/103579518517/lesen-beflügelt-bekanntlich-die-vorstellungskraft

Frage Nummer 5:
Wie sieht der Alltag einer Autorin aus?
Antwort:
Ich nehme an, erst mal lange ausschlafen, dann in aller Ruhe aufstehen und Frühstücken. Danach vielleicht Einkaufen gehen auf dem Wochenmarkt, um leckeres Obst und Gemüse fürs reichhaltige Abendessen parat zu haben. Und irgendwann mal ein bisschen Schreiben oder noch mal’n Kaffee trinken ... ;-)
MEIN Alltag sieht so aus, dass ich einem Hauptberuf nachgehe, ebenso wie meine bessere Hälfte, und daher muss man sich halt jeden Morgen viel zu früh aus dem Bett quälen, das Kind versorgen und zum KiGa bringen, zur Arbeit fahren und nachmittags Termine und Verbindlichkeiten abarbeiten: Arztbesuche/Therapiestunden fürs Kind, Fitness-Studio, Einkäufe erledigen usw.
Ich kann ohne zu übertreiben sagen, ich, d. h. wir haben immer viel zu tun in unserer Familie, auch am Wochenende. Daher muss ich leider darum kämpfen, überhaupt zum Schreiben zu kommen.
Frage Nummer 6:
Und gibt es bestimmte Dinge die dich zu deinen Büchern inspirieren?
Antwort:
Inspiration finde ich praktisch überall. Da es in meinem Werk um erotische Abenteuer geht, arbeitet mein Kopfkino praktisch ständig an „Was-wäre-wenn“-Szenarien, ich frage mich, wie eine erotische Begegnung beispielsweise in dem Fitness-Studio aussehen könnte, das ich besuche. Oder in einer Diskothek, in der ich mal war.

Frage Nummer 7:
Brauchst du zwischen den Büchern auch Pausen oder kannst du gleich weiter schreiben?
Antwort:
Die Pausen ergeben sich ja schon unfreiwillig, weil ich nur nebenher Gelegenheit zum Schreiben finde. Es kann sein, dass Monate vergehen und ich nicht eine Zeile geschrieben bekomme, leider.

Frage Nummer 8:
Wann kommst du auf den Titel des Buches? Am Anfang des Schreibens? Oder ganz am Ende? Oder vielleicht auch mittendrin?
Antwort:
Der Titel meines Debüts war mir schon sehr früh klar: Es ist noch keiner auf die Idee gekommen, seinen Roman einfach nur „Chiffre“ zu nennen, und bei mir war das naheliegend, weil ein Chiffre-Anzeige die ganze Handlung ins Rollen bringt. Länger habe ich überlegt, wie ich denn die Fortsetzung nennen soll, die gerade erschienen ist. Ich habe mich dann für „Chiffre 2.0“ entschieden, weil, anders als im ersten Teil, dessen Entstehung schon eine ganze Weile zurückliegt, nun die Allgegenwart von Smartphones und dessen technischen Möglichkeiten in mehreren Szenen thematisiert wird.

Frage Nummer 9:
Welche anderen Autoren liest Du selbst?
Antwort:
Ich will ehrlich sein: Wenn ich könnte, würde ich ja Science Fiction und nicht Erotik schreiben, aber für dieses Genre mangelt es mir an Einfallsreichtum. Mich fasziniert SF aber so sehr, dass ich fast nichts anderes mehr lese (bzw. aus Zeitgründen Hörbücher auf dem Weg zur Arbeit konsumiere). Ich bin ein ganz großer Fan von Daniel Suarez, empfehlen kann ich außerdem Pierre Bordage und Andreas Eschbach.

Frage Nummer 10:
Wenn Du ein Buch anfängst und das Ende geplant hast – kann es im Laufe des Schreibens passieren, dass Du das Ende umplanst? Oder hast Du nur eine grobe Übersicht was passieren soll?
Antwort:
Meine Romane sind aufgrund ihrer Episodenhaftigkeit als unendliche Geschichte angelegt. Ich habe noch ein paar Szenarien, die ich irgendwann mal erzählen will, sie spuken schon seit Jahren in meinem Kopf herum. Aber ich muss erst mal sehen, wie ich die Entwicklung der Figuren bis zu diesen „Höhepunkten“ hinbekomme. Doch die Chiffre-Reihe kann ich praktisch immer weitererzählen … :-D
Frage Nummer 11:
Wie viel steckt von dir selbst in den Protagonisten?
Antwort:
In jeder meiner Figuren steckt ein Bisschen von mir. Sie sind die Verkörperung einer Idealvorstellung, die natürlich nur in meinem Kopf existiert, weil sie nicht aktiv gelebt werden kann. Meine Figuren geben sich der Lust hin ohne Zweifel und ohne Reue. Es klappt auch immer alles – so ist es im wirklichen Leben natürlich nicht. Aber ich weiß, dass es klappen kann, weil das, was ich meine Figuren da miteinander anstellen lasse, erprobt ist – z. T. persönlich oder basierend auf Erfahrungsberichten anderer. Was mir jetzt selbst wiederfahren ist und was von anderer Seite stammt, wird natürlich nicht verraten. Aber kurz gefasst kann ich sagen, alle meine Figuren gehen miteinander so um, wie ich es auch in meiner glücklichen Ehe praktiziere. Ich verwende dafür gerne den Begriff „Hingabe“.

Frage Nummer 12:
Über welches Genre schreibst du am liebsten?
Antwort:
Wenn ich ÜBER etwas schreiben soll, als Rezensent, dann natürlich SF. Aber tatsächlich schriftlich rezensiert habe ich bis dato nur zwei Erotikromane, von denen ich finde, dass sie Aufmerksamkeit verdienen bzw. zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind, wie z. B.: „Der Chat-Room“ vom Matty Linder.

Dankeschön für das Interview Chris Chiffre.
Ich hoffe wir hören bzw. lesen noch viel von dir.
Schöne Grüße
Isabel

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Chiffre 2.0

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***HUHU, ich freue mich sehr das du den Weg zu mir gefunden hast. Über einen Kommentar würde ich mich sehr freuen. Schöne Grüße Isabel***